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Britinnen und Briten in Deutschland

Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs zwei Jahre nach der Erklärung des Austritts endet, unabhängig davon, ob mit oder ohne Abschluss eines Austrittsabkommens mit der EU. Inzwischen hat das Vereinigte Königreich jedoch eine Verlängerung der Austrittsfrist beantragt. Der Europäische Rat hat diesem Antrag entsprochen, woraus sich folgende Optionen ergeben:

Szenario 1: Austrittsabkommen

Das Vereinigte Königreich hat bis zum 31.10.2019 Zeit, dem Austrittsabkommen zuzustimmen. Wenn das Vereinigte Königreich und die EU das Austrittsabkommen vor diesem Termin ratifizieren, erfolgt der Austritt am ersten Tag des folgenden Monats. Im Anschluss daran würde das Austrittsabkommen anwendbar sein. Das zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelte Austrittsabkommen sieht eine Übergangsphase bis zum 31.12.2020 vor, in der die Verordnungen über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit weiter Anwendung finden sollen (z. B. für Touristen, entsandte Arbeitnehmer, Rentner, Studierende). Dies sind die Verordnungen (EG) Nr. 883/2004, (EG) Nr. 987/2009 sowie (EG) Nr. 859/2003 in Verbindung mit der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71.

Szenario 2: Ungeordneter Austritt (No Deal-Brexit)

Sollte das Vereinigte Königreich der Verpflichtung zur Teilnahme an der Wahl zum Europäischen Parlament nicht nachkommen, erfolgt der Austritt am 01.06.2019 ohne Austrittsabkommen. Dies gilt auch für den Fall, dass das Vereinigte Königreich dem Austrittsabkommen nicht bis zum 31.10.2019 zustimmt.

Szenario 3: Verlängerung der Austrittsfrist

Das Vereinigte Königreich hat eine Verlängerung der Austrittsfrist beantragt. Diesem Antrag wurde vom Europäischen Rat entsprochen. Demnach wird die Austrittsfrist bis zum 31.10.2019 verlängert, sofern das Vereinigte Königreich dem mit der EU ausgehandelten Austrittsabkommen nicht vorher zustimmt.

Szenario 4: Rücktritt vom Brexit

Der Europäische Gerichtshof hat klargestellt, dass das Vereinigte Königreich den beabsichtigten Austritt aus der EU einseitig zurücknehmen kann. Dieser Rücktritt vom Brexit wäre bis zum Tag, an dem die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der EU endet, möglich, sofern ein Austrittsabkommen noch nicht in Kraft getreten ist.

Die europäischen Verordnungen sind in diesen drei Szenarien weiterhin anwendbar.

Sollten die europäischen Verordnungen (ggf. vorübergehend) weiter anwendbar sein, so gelten in Bezug auf die Leistungsinanspruchnahme in Deutschland keine Besonderheiten gegenüber anderen Mitgliedstaaten.

Kann ich mit meiner im Vereinigten Königreich ausgestellten Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Provisorischen Ersatzbescheinigung (PEB) nach dem 12.04.2019 in Deutschland Leistungen in Anspruch nehmen?

Auch nach dem 12.04.2019 können Sie Leistungen auf Basis der im Vereinigten Königreich ausgestellten EHIC bzw. PEB in Anspruch nehmen.

Ich bin über den NHS krankenversichert, wohne in Deutschland und werde von einer deutschen Krankenkasse betreut. Ich benötige nach dem 12.04.2019 ärztliche/zahnärztliche Hilfe in Deutschland. Kann ich Leistungen mit meiner elektronischen Gesundheitskarte in Anspruch nehmen?

Die deutschen Krankenkassen wurden darüber informiert, dass vom NHS bis zum 29.03.2019 befristete Anspruchsbescheinigungen (E 120, E 121, E 106, S1)

  • längstens bis zum Austritt des Vereinigten Königreichs bzw.
  • bei Billigung des Austrittsabkommens bis zum Ende der darin vereinbarten Übergangsfrist (31.12.2020) gültig bleiben.

Bis zum 29.03.2019 befristete Anspruchsbescheinigungen müssen daher nicht erneuert werden. Auch über dieses Datum hinaus können Sie wie bisher Leistungen mit Ihrer elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland in Anspruch nehmen.d.

Die europäischen Verordnungen sind nach dem Austritt nicht mehr anwendbar, weil weder ein Austrittsabkommen geschlossen noch eine Verlängerung der Austrittsfrist oder ein Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU beschlossen wurde.

Vorübergehender Aufenthalt in Deutschland

  • Ich benötige nach dem Austritt ärztliche/zahnärztliche Hilfe in Deutschland und der Arzt/Zahnarzt akzeptiert meine Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) nicht. An wen kann ich mich wenden?
    Im Falle eines ungeregelten Brexits werden deutsche Vertragsärzte/-zahnärzte ab dem Austrittsdatum alle EHICs oder PEBs aus dem Vereinigten Königreich ablehnen müssen. Sollten Sie während eines vorübergehenden Aufenthalts in Deutschland nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union eine (zahn-)medizinische Behandlung benötigen, stellt der Leistungserbringer Ihnen die Kosten privat in Rechnung. Auch Arznei-, Heil- und Hilfsmittel können nur auf Privatrezept verordnet werden. Es ist empfehlenswert, die Rechnung aufzubewahren, um klären zu können, ob der für Sie im Vereinigten Königreich zuständige Krankenversicherungsträger Ihnen die Kosten ggf. erstatten kann.
  • Ich habe eine Leistung auf Kassenrezept (z. B. Arzneimittel) verordnet bekommen und das Rezept bis zum Brexit noch nicht eingelöst. Kann ich dieses danach noch beim Leistungserbringer einreichen?
    Dies ist nicht möglich, da die jeweilige Verordnung ab dem Austrittstag keine Gültigkeit mehr hat. Die Apotheke z. B. kann nach dem Austritt nicht mehr mit der deutschen Krankenkasse abrechnen. Sie müssen sich ein Privatrezept besorgen, um die Leistung zu beanspruchen. Diese ist dann von Ihnen privat zu begleichen. Einen möglichen Erstattungsanspruch müssen Sie mit dem für Sie im Vereinigten Königreich zuständigen Krankenversicherungsträger klären.
  • Ich benötige nach dem Austritt eine stationäre Behandlung. Kann ich mit meiner im Vereinigten Königreich ausgestellten Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Provisorischen Ersatzbescheinigung (PEB) Leistungen in Anspruch nehmen?
    Nach dem Austritt ist eine Inanspruchnahme von Leistungen auf Basis der im Vereinigten Königreich ausgestellten EHIC bzw. PEB nicht mehr möglich. Die Krankenhauskosten müssen Sie privat begleichen. Einen möglichen Erstattungsanspruch müssen Sie mit dem für Sie im Vereinigten Königreich zuständigen Krankenversicherungsträger klären.
  • Meine stationäre Behandlung hat vor dem Austritt/am Tag des Austritts auf der Basis einer im Vereinigten Königreich ausgestellten Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Provisorischen Ersatzbescheinigung (PEB) begonnen und endet nach dem Austritt. Wie werden die Kosten für die Behandlung abgerechnet?
    Alle stationären Leistungen, die bis einschließlich zum Tag des Austritts auf Basis einer im Vereinigten Königreich ausgestellten EHIC bzw. PEB erbracht werden, können zwischen der von Ihnen gewählten deutschen Krankenkasse und dem NHS abgerechnet werden. Die Kosten, die für Behandlungen entstehen, die über den Austritt hinausgehen, sind von Ihnen privat zu begleichen. Einen möglichen Erstattungsanspruch müssen Sie mit dem für Sie im Vereinigten Königreich zuständigen Krankenversicherungsträger klären.
  • Ich befinde mich für eine geplante Behandlung in Deutschland, die NHS mit einer S2-Bescheinigung genehmigt hat und die über den Austritt des Vereinigten Königreichs hinaus andauert. Wie werden die Kosten für meine Behandlung abgerechnet?
    Bis zum Austritt ist die Abrechnung einer geplanten Behandlung auf Basis der S2-Bescheinigung zwischen der von Ihnen gewählten deutschen Krankenkasse und dem NHS möglich. Die Kosten, die für Behandlungen entstehen, die über den Austritt hinausgehen, sind von Ihnen privat zu begleichen. Einen möglichen Erstattungsanspruch müssen Sie mit dem für Sie im Vereinigten Königreich zuständigen Krankenversicherungsträger klären.

Wohnort in Deutschland

  • Ich bin über den NHS krankenversichert, wohne in Deutschland und werde von einer deutschen Krankenkasse betreut. Ich benötige nach dem 12.04.2019 ärztliche/zahnärztliche Hilfe in Deutschland. Kann ich Leistungen mit meiner elektronischen Gesundheitskarte in Anspruch nehmen?
    Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs verliert Ihre vom NHS ausgestellte Anspruchsbescheinigung (E 120, E 121, E 106, S1), auf deren Basis Sie von Ihrer deutschen Krankenkasse betreut werden, ihre Gültigkeit. Sie können keine Leistungen mehr mit Ihrer elektronischen Gesundheitskarte in Anspruch nehmen.
    Sie haben allerdings die Möglichkeit, der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland als freiwilliges Mitglied beizutreten. Der Beitritt ist schriftlich innerhalb einer Frist von 3 Monaten nach dem Tag des Austritts gegenüber einer wählbaren Krankenkasse am Wohn- oder Beschäftigungsort zu erklären. Die Wahl kann dementsprechend in aller Regel auch gegenüber der Krankenkasse erklärt werden, bei der Sie bislang eingeschrieben waren und betreut wurden.
    Die Mitgliedschaft beginnt unabhängig von dem Zeitpunkt der Beitrittserklärung am Tag nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Die Regelung stellt einen durchgängigen lückenlosen Versicherungsschutz sicher.
    Der Beitritt ermöglicht die Inanspruchnahme aller Leistungen, die den Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung zur Verfügung stehen. Im Rahmen der freiwilligen Mitgliedschaft richtet sich die Beitragsbemessung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, das heißt, dass Ihre Einnahmen und Geldmittel, die für den Lebensunterhalt verbraucht werden können, der Beitragsbemessung zugrunde gelegt werden. Die Beiträge werden jedoch mindestens von einer Mindestbemessungsgrundlage erhoben. Diese beträgt für das Jahr 2019 1.038,33 EUR.
    Bezieher einer ausländischen Rente erhalten vom ausländischen Rententräger keine Beitragszuschüsse zur deutschen Kranken- und Pflegeversicherung. Daher sind die Beiträge allein vom Mitglied zu tragen. Damit den Betroffenen dadurch keine Nachteile entstehen, wird aus den ausländischen Renten nur ein Beitragssatz in Höhe von 7,3 Prozent zur gesetzlichen Krankenversicherung erhoben. Daneben können Krankenkassen von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag erheben.
  • Ab wann beginnt meine Mitgliedschaft, wenn ich den Beitritt gegenüber einer deutschen Krankenkasse beispielsweise erst zwei Wochen nach dem Austritt erkläre?
    Zur Herstellung des Versicherungsschutzes muss der Beitritt innerhalb der dreimonatigen Beitrittsfrist ab Tag des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU erklärt werden. Die Mitgliedschaft beginnt am Tag nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Es wird ein durchgängiger, lückenloser Versicherungsschutz sichergestellt, der unabhängig vom Zeitpunkt der Beitrittserklärung innerhalb der dreimonatigen Beitrittsfrist wirksam wird. Es findet mithin eine Rückversicherung bis zum Tag nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU statt.
  • Würde die gewählte Krankenkasse die zukünftigen Kosten übernehmen für eine Krankheit, unter der man auch bereits vor diesem Zeitraum gelitten hat?
    Der Anspruch besteht auf Leistungen unter den Voraussetzungen des deutschen Rechts, also nach dem Sozialgesetzbuch V.

Fragen

Fragen zur Absicherung im Krankheits- oder Pflegefall beantworten Ihnen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Eine alphabetische Liste aller gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland finden Sie hier.